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Wallfahrt zur Helferin vom Kleinen Berge.

Bereits im sechsten Jahr machten sich die „Tradis“ auf den Weg zum Gnadenbild in Kleinenberg. Diese häufig als Schimpf- und Reizwort gebrauchte Bezeichnung hat hier seinen ganz besonderen Stellenwert: Durch viele, viele Jahre gehörte es zu besonderen Pflichten der Katholiken aus dem Erzbistum Paderborn, die Gottesmutter Marie, die Helferin vom Kleinen Berge, in ihrem Heiligtum auf einer Wallfahrt zu besuchen, ihr besondere Ehre zu erweisen und sie um Schutz und Hilfe anzuflehen. Diese Tradition wurde von den Gläubigen, die Sonntag für Sonntag in der Paderborner Gaukirche St. Ullrich die Heilige Messe im altüberlieferten Ritus feiern, wieder aufgenommen: Einmal im Jahr, am Sonntag nach Christi Himmelfahrt, steht das Gotteshaus nämlich nicht zur Verfügung; so lag es nahe, das Messopfer in der Gnadenkapelle in Kleinenberg, zweiundzwanzig Kilometer entfernt, zu feiern und mit einer Wallfahrt zu verbinden – kurz: die alte Tradition wieder aufleben zu lassen.

wallfahrt13-21. Die ersten Wallfahrer sammeln sich zum Abmarsch

In den vergangenen Jahren hatten die Pilger schon einige Varianten des Wetters erlebt: angenehmer Sonnenschein, große Hitze und Schwüle, eisige Temperaturen mit schneidendem Wind – in diesem Jahr nun war im Wetterbericht Regen angesagt. Und kurz nach sechs Uhr, beim Wallfahrtsegen an der Liborikapelle, den H.H. Prälat Dr. Heribert Schmitz den ersten Pilgern spendete, fiel leichter Nieselregen vom Himmel, der sich, besonders nach der zweiten Station in Lichtenau, zu einem veritablen Platzregen steigerte. Zwar halfen Schirm, Regencape und Anorak ein wenig, und über Rosenkranzgebet und Marienliedern konnte man die Unbilden fast vergessen, dennoch mußte der „Notdienst“ eingreifen und mit dem Auto einige Erschöpfte und Durchnässte „retten“.

wallfahrt13-12. Auf dem Weg – mit Kreuz und Regenschirm

Immerhin erreichten gut zwanzig Wallfahrer mit leichter Verspätung die Gnadenkapelle, und zur Begrüßung durch H.H. Pastor Scholz setzte der Regen auch kurz aus. Begleitet vom Geläut der Glocken und singend zog die kleine Schar in die Kapelle ein, die bereits mit vielen Gläubigen gut besetzt war. Zunächst wurde die Kerze der Pilger gesegnet und vor dem Heiligtum aufgestellt. Orgel, Schola und Gemeinde intonierten alte Wallfahrts- und Kirchenlieder, Proprium und Ordinarium dann im Gregorianischen Gesang.

F10100263. Die Heilige Messe beginnt in der festlich geschmückten Kirche

Es war ein echtes, großes Fest, gewidmet der Allerseligsten Jungfrau Maria, die auch auf dem Weg in die Ewigkeit unsere Begleiterin ist, wie H.H. Pastor Scholz in seiner Predigt ausführte. Für einige Besucher der Heiligen Messe war dies ein Erst- oder auch Wiedererleben der außerordentlichen Form des Römischen Ritus. Aus den Gesprächen, die man nach der Messe hören konnte, war zu entnehmen: „Vieles habe ich wiedererkannt!“ und „Ich wußte gar nicht, daß das so schön ist!“

F10000054. Andacht an der Lourdes-Grotte

Nach einer Mittagspause zeigte sich unvermutet – und ohne vom Wetterbericht angekündigt zu sein – die Sonne. Unter strahlend blauem Himmel mit nur wenigen weißen Wölkchen ging die Prozession mit Kreuz und Fahnen vom „Brünneken“ und der Lourdes-Grotte, wo Diakon Tobias Kiene eine Maiandacht gehalten hatte, zurück zur Kapelle. Die Schola, durch einige Frauenstimmen verstärkt, hatte einen mehrstimmigen Satz eines Marienliedes gesungen, intonierte auf dem Weg die Lauretanische Litanei und sang in der Kapelle ein Magnifikat für gemischten Chor. Pastor Scholz stimmte das Te Deum an und erteilte zum Abschluß den sakramentalen Segen. Müde, aber doch heiter und gestärkt suchten die Fußwallfahrer eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Paderborn, was sich problemlos gestaltete. So endete ein großer Tag auch bei diesen kleinen Dingen in echter Gemeinschaft, die erwachsen war aus der Feier vor dem Altar und dem Gnadenbild der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Helferin vom Kleinen Berge.

12. 5. 2013

Wolfgang Kühnhold / Fotos: W.K. (1,2) Michael Weikmann (3,4)

“Außerordentliches” Sommerfest

Am 21. August, nach dem Hochamt in der Kapuzinerkirche – die Kirche war gut besucht, die äußere Feier des Festes Mariä Aufnahme war sehr beeindruckend und schön, Orgel, Schola und Gemeindegesang geradezu berauschend! -  durften wir unser alljährliches, “außerordentliches” Sommerfest feiern. Diesmal fand es nicht im Küstergarten statt sondern im Pfarrzentrum St. Liborius. Lag es am ungewöhnlichen Ort oder am Termin: Nur rund die Hälfte der Besucherzahlen vom letzten Jahr konnte erreicht werden. Grüße wurden übermittelt von Pfarrer Fischer und Vikar Tobias Kiene: Sie waren im Urlaub. Aber! Die Stimmung war ganz ausgezeichnet; viele Gespräche, Austausch von Gedanken und Meinungen: Wir sind uns alle ein Stück näher gekommen. Dank noch einmal den Spendern und den Organisatoren. Hier einige Schnappschüsse:012 003 002 001

 

Fronleichnam im Kloster Maria Engelport – Ministrantenfahrt in den Hunsrück

DSC_5838 DSC_5833 DSC_5843 DSC_5827.NEFFür unsere Jungministranten hatten wir einen Ausflug projektiert. Am Fronleichnamsfest wollten wir das Kloster Maria Engelport besuchen, dort das Fronleichnamsfest feiern und bei der Prozession mitwirken. Leider war es nicht allen möglich, mitzukommen; die verbliebenen beiden, Benedikt und Paul-Lukas, durften wir aber nicht enttäuschen und so wurde es nur ein „kleiner“ Ausflug.

Das Kloster Engelport liegt im wildromantischen Flaumbachtal, nahe am Südufer der Mosel im Hunsrück. 1220 wurde das Kloster gegründet und erlebte eine wechselvolle Geschichte. Zunächst von Zisterzienserinnen bewohnt, war es wechselnden Ordensgemeinschaften zugeordnet. Zuletzt verließen am 8. Dezember 2013 die Oblaten Kloster Engelport. Die Gründe dafür waren das Alter der Patres und Ordensbrüder, in erster Linie aber die hohen Unterhaltungskosten der Gebäude. Seit dem 2. Januar 2014 haben nun die Anbetungsschwestern des königlichen Herzens Jesu das Kloster übernommen. Diese Schwestern kommen aus dem weiblichen Zweig des Instituts Christus König und Hoherpriester. Der Seelsorger im Kloster ist Kanonikus Richard von Menshengen.

Nach einem längeren Telefonat zeigt sich Hochwürden von Menshengen sehr angetan von der Idee, daß unsere Ministranten bei der Fronleichnamsprozession mitwirken sollten. Am Mittwochnachmittag machte sich also die kleine Abordnung mit ihren Eltern auf den Weg in den Hunsrück. Bis zum Abendessen trafen auch alle ein, auch Paul-Lukas jüngerer Bruder Julius war mit dabei. Zwar war es geplant, nach dem Essen für den kommenden Tag zu proben, aber die schöne Bergwelt des Hunsrück machte den Plan zunichte: Es ging hinaus in den Wald und an den Flaumbach, wo die Jungs sich austoben konnten.

Am Donnerstag dann begann die Feier nach einer Einweisung und Probe. Aber nicht nur unsere Jungministranten waren gefordert! Kanonikus von Menshengen kam kurz vor Beginn der Heiligen Messe zu uns, ein wenig verstört: Ein Himmelträger war erkrankt! Könnte vielleicht einer von uns…? Schmunzelnd konnten wir sagen: Wir können helfen! Denn Paul-Lukas Vater hätte in der Heimatpfarrei den Himmel tragen sollen, was er wegen des Ausflugs absagen mußte. Nun war er der richtige Mann hier zu helfen

Das Levitenamt zelebrierte Msgr. Rudolf Michael Schmitz, Generalvikar des Instituts. Die kleine Kirche atmete im uralten und doch stets neuen Ritus, die Schola der Klosterfrauen mit ihren klaren, engelgleichen Stimmen vollendeten die liturgischen Gebet. Neben den Zelebranten und Klosterfrauen nahmen Priester und Seminaristen des Instituts, örtliche Ministranten, die Gäste aus Paderborn und eine viele Gläubige aus Nah und Fern an der beeindruckenden Feier teil. Die Prozession zog dann durch die Klosteranlage, vorbei an der Lourdesgrotte, zum Altar unter vier mächtigen, alten Bäumen. Eine Beschreibung erübrigt sich, die Auswahl der Bilder mag für sich sprechen.

Msgr. Schmitz zeigte sich beeindruckt und höchst interessiert über die Verhältnisse, die in Paderborn eine so würdige Feier in der außerordentlichen Form des römischen Ritus ermöglichen. Dank den Anbetungsschwestern und Kanonikus von Menshengen für die freundliche Bewirtung und die Einladung, im nächsten Jahr mit einer größeren Zahl wieder zu kommen.

 

Gottesvolk auf den Beinen

Bittprozession und Rogationsmesse am 4. Mai

An den drei Wochentagen vor dem Fest wird die Bittliturgie gefeiert: Bittprozession mit Allerheiligenlitanei, Segnungen der Felder und Bitten um Gedeihen der Feldfrucht und anschließender Rogationsmesse. Seit dem 5 Jahrhundert ist dieser Brauch in der Kirche bezeugt. Vielerorts wird dieser Gebrauch noch gepflegt, für uns „Außerordentliche“ war das bisher nicht möglich. Nun fällt seit einiger Zeit am Mittwoch vor dem Fest Christi Himmelfahrt die Heilige Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in der Krypta des Hohen Domes aus. Was lag näher, als diese Gelegenheit positiv zu nutzen und einen solchen Bittgang zu feiern. Mit Unterstützung der Seelsorger wurde die Kluskapelle in Etteln auserwählt. Dieses barocke Kleinod im romantischen Altenautal ist der Hl. Lucia geweiht. Sie wurde 1677 von Ferdinand von Fürstenberg errichtet; sein Wappen ist über dem Eingang zu sehen. Fleissige Helfer hatten den Altar hergerichtet bevor die Gläubigen eintrafen, mit dem Auto aus Paderborn, Lippspringe und Kassel, aber auch mit dem Fahrrad. Um 18.30 Uhr zog die Prozession mit etwa 25 Teilnehmern den Altenauweg aufwärts, die Allerheiligenlitanei singend bis zu einem Wegkreuz, wo die Segensgebete gesprochen wurden und Pastor Scholz die Feldersegnung vollzog. Psalmen erklangen auf dem Rückweg, am Kreuz vor der Kapelle endete die Prozession mit einem Wettersegen. Um 19 Uhr begann dann die Heilige Messe.
Es ist immer wieder erstaunlich zu erfahren, wie ein Kirchenbau mit einem nach Osten ausgerichteten Altar sich mit Leben füllt: der Raum schient förmlich aufzuatmen! Das auch diese liturgische Feier nicht veraltet ist, bezeugen die jugendlichen Teilnehmer, die neben den Älteren gekommen waren. Einhellige Meinung war: Das machen wir im nächsten Jahr wieder! Es wäre in der Tat schön, wenn auch hieraus eine Tradition entstehen könnte, wie die alljährliche Wallfahrt. Fotos unter: https://www.dropbox.com/sh/mjz3qwr8

Wallfahrt nach Kleinenberg

Seit nunmehr 9 Jahren können wir in Paderborn die Heilige Messe nach dem überlieferten Ritus feiern, der als außerordentliche Form des römischen Ritus von Papst Benedikt XVI uns geschenkt worden ist. Unser Erzbischof hat den Wünschen der Gläubigen entsprochen und entsprechend Gelegenheiten angeboten. Lediglich am Sonntag nach Christi Himmelfahrt gab es ein Problem: Die Gaukirche, die für diesen Ritus an allen Sonn- und Feiertagen zur Verfügung steht, steht an diesem Tag nicht zur Verfügung. Schon sehr bald wurde aus diesem Manko einer neuer Impuls: Es wurde der Tag der Wallfahrt zur Helferin vom Berge. Und auch in diesem Jahr begab sich wieder eine Gruppe von Pilgern auf den Weg nach Kleinenberg. Zunächst waren es sieben Unermüdliche, die von der Liborikapelle aus sich aufmachten, zunächst mit dem PKW und dann ab Grundsteinheim zu Fuß. „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen…“ mit den Worten des Psalm 120 begann der Morgen. „Großer Gott, wir loben dich…“ schallte es dann durch die noch recht verschlafene Straße. Das Wetter meinte es gut: Zwar schien die Sonne unerbittlich, aber die Hitze wurde durch den kräftig wehenden Wind erträglich gemacht. Die Wallfahrtgesänge, Marienlieder, Rosenkranzgebete füllten den ersten Teil des Weges. Wie in jedem Jahr gab es eine kurze Rast an „Schlüters Kreuz“, bevor die kleine Gruppe dann in Lichtenau einzog, die Glocken läuteten wie bestellt!
An der Stadtverwaltung warteten bereits Gläubige aus Kassel. Nach und nach kamen dann weitere Pilger hinzu, so daß am Ende zwanzig Personen unterwegs waren: Die jüngste 4, der älteste 73 Jahre alt. Zunächst noch schattigen Wegs brannte dann die Sonne ab dem Nonnenbusch unerbittlich auf die kleine Schar. Voran das Kreuz, wechselnd getragen, mal mit kurzem Stiel, mal in voller Größe – je nach Alter und Körpergröße der Träger. Gebet und Gesang standen unterwegs im Vordergrund, aber auch Gespräche und Erfahrungsaustausch fanden Raum.
Am „Hohen Kreuz“ in Kleinenberg empfing dann Pastor Scholz die Pilger und spendete ihnen einen Wallfahrtssegen. Zur Prozession hinunter zur Kapelle gesellten sich weitere Gläubige hinzu. Mit „Ein Haus voll Glorie schauet…“ begann dann der Einzug und die Feier der Heiligen Messe: „Vidi aquam“, das lateinisches Proprium und Ordinarium, ergänzt mit deutschen Gemeindeliedern. Leider hatte ein unautorisierter, unbekannte Verfasser in einer Paderborner Zeitung für die Wallfahrt geworben. Danach hätte es eine Nostalgieveranstaltung werden sollen. Diese unwillkommene Werbung wurde Lügen gestraft: Zahlreiche Kinder und Jugendliche belegten die Aktualität dieses Ritus. Es war ein lebendiger Lobpreis des Allerhöchsten im Hier und Jetzt, und die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers, wie es Pastor Scholz in seiner Predigt noch einmal hervorhob.
Andacht am „Brünneken“, Prozession zur Wallfahrtskirche, Aussetzung, Anbetung und Sakramentaler Segen beschlossen diesen Tag.

Von beiden Feiern gibt es eine Reihe Fotos, nachzuschauen unter:

https://www.dropbox.com/sh/mjz3qwr8wallfahrt4

Am 28. September verstarb Schwester Maria Josepha.

Aus dem Nachruf der Augustiner Chorfrauen im Michaelskloster Paderborn:

Schwester Josephas Lebensweg ist einerseits Zeit ihres Lebens nachhaltig geprägt durch ihre slowakische Herkunft und die Verbundenheit mit ihrer Heimat, andererseits aber auch durch die traumatischen Erlebnisse von Krieg, Flucht und Vertreibung, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder erlitt. Eine neue Heimat eröffnete sich ihr, als sie auf ihrer Flucht in den Westen Deutschlands schließlich als Siebzehnjährige den Weg ins Michaelskloster fand und dort als hauswirtschaftliches Lehrmädchen aufgenommen wurde.

Bereits im April 1956 trat sie als sogenannte “Laienschwester” in das Michaelskloster ein, wo sie sich für die verschiedensten Hausarbeiten zur Verfügung stellte. Dieser vielfältigen einfachen Dienstbarkeit blieb Schwester Josepha auch dann unbedingt treu, als mit dem 2. Vatikanischen Konzil die Unterscheidung zwischen Chor- und Laienschwestern aufgehoben wurde. Ihr leutseliges und großzügiges Wesen machten sie sehr beliebt bei den Internatsschülerinnen, aber auch als Gastschwester vermochte sie es, der Gastfreundschaft des Michaelsklosters ein persönliches Gesicht zu verleihen. Selbst an ein entbehrungsreiches Leben gewöhnt, war es ihr stets ein Anliegen, anderen Menschen alles nur mögliche Gute zu erweisen. Das Gedächtnis ihres Herzens vergaß niemanden, dem sie einmal begegnet war. Dadurch gewann sie die Freundschaft vieler Menschen, die ihre Güte und Menschenfreundlichkeit zu schätzen wussten.

Wir danken Gott für alles Gute, das Schwester Josepha unter uns und für uns gewirkt hat, und bitten ihn, dass alles, worin sie groß war, auch weiterhin in unserer Erinnerung lebendig bleiben möge.

Ministrantenaufnahme

Am 19. 6. wurde in einer speziellen Zeremonie ein neuer Ministrant aufgenommen: Benedikt Plogmeier. Fotos von der sehr schönen Feier sind zu finden unter https://www.dropbox.com/sh/k42n7dd8b

Rainer Maria Rilke

Gedichte aus: Marienleben

PIETÀ

JETZT wird mein Elend voll, und namenlos
erfüllt es mich. Ich starre wie des Steins
Inneres starrt.
Hart wie ich bin, weiß ich nur Eins :
Du wurdest groß –
…… und wurdest groß,
um als zu großer Schmerz
ganz über meines Herzens Fassung
hinauszustehn.
Jetzt liegst du quer durch meinen Schooß,
jetzt kann ich dich nicht mehr
gebären.

Wußten Sie …?

Wer kennt heute noch die Bezeichnungen der Sonntage in der Fastenzeit? Es ist eine Ironie der Geschichte, daß nach dem Zweiten Vatikanum diese Namen im christlichen Abendland nur noch in den protestantischen Kirchen bekannt sind.

Diese Namen zitieren die ersten Worte des Introitus, wie er in den Meßbüchern der altehrwürdigen Form der Heiligen Messe an den Sonntagen zu finden sind. Den Freunden der außerordentlichen Form des römischen Ritus sollte diese Bezeichnungen jedoch durchaus geläufig sein. Aber auch in die „Jägersprache“ fanden sie Einlaß. Die unten wiedergegebenen Verse, wie sie der verstorbene Prälat Dr. Heribert Schmitz häufig zum Besten gab, sind ein beredtes Beispiel, wie stark die Liturgie im Bewußtsein der Gläubigen war.

Es geht um die Schnepfenjagd. Wer kennt heute noch dieses Tier, dessen „Dreck“ sogar ausnehmend gut schmecken soll? Die Waldschnepfe ist in unserer Region zwar selten, aber doch regelmäßig als Brutvogel zu finden. Die Bestände sind rückläufig: In Nordrhein-Westfalen steht die Waldschnepfe mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten.

Auch wenn die Quadragesima eine Zeit der Buße und der Zurückgezogenheit von weltlichen Genüssen ist, auch wenn die Jäger nicht mehr auf den Schnepfenstrich ziehen, seien doch die launigen Verse in Erinnerung an den unvergesslichen Prälat Schmitz hier aufgeführt:

Invocavit – nimm den Hund mit! (Erster Fastensonntag)
Reminiscere – putzt die Gewehre! (Zweiter Fastensonntag)
Oculi – da kommen sie. (Dritter Fastensonntag)
Laetare – das ist das Wahre. (Sonntag Laetare)
Judica – sind sie auch noch da. (Passionssonntag)
Palmarum – lirumlarum. (Palmsonntag)
Osterzeit – wenig Beut’.
Quasimodogeniti – Halt Jäger, halt! Jetzt brüten sie. (Weißer Sonntag)

Eine gute Zeit Ihnen allen!

(W.K.)

Oremus
Überlegungen zum “Bitten” in der Fastenzeit

Den folgenden Text fanden wir im jüngst erschienenen Band 4 der Gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. Auch wenn seit der Erstveröffentlichung mehr als 50 Jahre vergangen sind, lohnt es sich, den Artikel, der im Untertitel “Ein Predigtvorschlag zur ewigen Anbetung” genannt wird und von dem hier nur einige Zeilen zitiert werden, noch einmal zu lesen. Die Neuherausgabe hat offensichtlich nicht nur die Rechtschreibung erneuert, sondern auch die Großschreibung der Pronomina, die sich auf Gott beziehen, dem heutigen Gebrauch angepaßt: Nicht mehr “Du” als Anrede an den Allmächtigen, sondern das einfache “du”, wie an meinen Kumpel oder Bruder; dabei vergessen wir aber, daß zwar Christus sich als unseren Bruder bezeichnet hat, aber keiner der Apostel, die ihm ja am Nächsten standen, es je gewagt haben, ihn in ihrer Anrede “Bruder” zu nennen. Nun ja, auf jeden Fall eignen sich die Zeilen dazu, in der Zeit der Quadragesima, wo neben dem Fasten Bitten und Almosen stehen sollen, auch dem “Bitten” in der außerordentlichen Form des römischen Ritus wieder Gewicht zu verleihen. Auch wenn das “Gloria” in den Hl. Messen dieser Zeit wegfällt…

“[...] Wie rechtes Bitten zu verstehen ist, können wir aus der Liturgie der Kirche ablesen. Sie lässt in der Messe zuerst im Kyrie eleison die einfache Litanei der menschlichen Not abrollen. In dieses Kyrie mag jeder hineinlegen, was auf ihm lastet, was ihn ganz persönlich drückt. Der Blinde von Jericho, der am Weg stand, an dem der Herr vorüberging, legte die Not seiner Blindheit hinein. Der Vater des mondsüchtigen Knaben legte das Leid um sein Kind hinein, und jeder wird anderes hineinzulegen wissen.
Aber dann verklingt der neunmalige Ruf, angefüllt von jeder menschlichen Not, der Priester ruft Oremus und lässt einen Augenblick Stille zu innerem Anwesendwerden vor Gott – wir haben uns vielleicht in unsere eigenen Nöte allzu sehr hineinvertieft und wollen uns wieder sammeln in die Nähe des ewigen Gottes hinein. Und dann betet er das Kirchengebet. Er allein. Und sammelt die zerstreuten Bitten der Einzelnen zur einen Bitte der heiligen Kirche. Alles Zufällige wird abgestreift, das Gemeinsame bleibt.
Damit deutet er etwas sehr Wichtiges für uns an, das grundlegend ist, wenn unser Beten recht werden soll: Unser eigenes Bitten muss immer mehr das bloß Egoistische, das bloß mich Betreffende abstreifen und sich hineinbegeben in die Gemeinschaft der bittenden Kirche.
[...]
Zwischen Kyrielitanei und Kirchengebet, zwischen das Bitten des Einzelnen und dasjenige der ganzen Kirche, hat sie seit dem 11. Jahrhundert an einem Großteil der Tage des Kirchenjahres das Gloria eingeschaltet, das gleichsam den Akkord der Bitte mit einer neuen Melodie überstrahlt. Dieses Gloria, das jetzt zwischen Bitte und Bitte steht, gipfelt in dem Unüberbietbar schönen Satz: Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam – Wir sagen dir Dank ob deiner großen Herrlichkeit, wir danken dir, nicht weil du uns dies und jenes schenkst, nicht weil du uns da und dort erhört hast, nein, wir danken dir, weil du du bist. Wir danken dir für dich selbst.
[...]”

Ratzinger, Joseph: Kosmische Liturgie in: ders, Gesammelte Schriften, Bd. 4 (Einführung in das Christentum), Freiburg 2014, S,792ff. (erstmals: 1960).

Die hl. Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch beginnt die hl. Quadragesima, die am Karsamstag endigt. Sie umschließt ein vierzigtägiges, gebotenes Fasten. Davon stammt der alte deutsche Name Fastenzeit.
Schon die Zahl 40 ist an der Fastenzeit bedeutsam. Sie ist in der Geschichte der Offenbarung meist mit Sühne und Buße verknüpft. 40 Tage und 40 Nächte strömte der Regen der strafenden und sühnenden Sintflut; 40 Jahre mußten die Israeliten vor dem Einzug in das Gelobte Land in der Wüste ausharren und wandern; 40 Tage fastete Moses, ehe er von Gott auf dem Sinai das Gesetz für sein Volk empfing; unter 40tägigem Fasten pilgerte der Prophet Elias zum Berg Horeb, wo Gott den Seher alsdann eine wunderbare Offenbarung schauen ließ; 40 Tage und Nächte fastete Christus selbst in der Wüste vor seinem öffentlichen Auftreten und Lehren, vor der Verkündigung der Frohbotschaft und des Gesetzes des Neuen Bundes.
[...]
Im Geist der Reue, Zerknirschung und Sühne wollen wir uns Gewalt antun und gegen Fleisch, Welt und Sünde kämpfen. Dazu dienen die von der Kirche stets empfohlenen Bußwerke des Fastens, Betens und Almosengebens.
[...]
Ist die Quadragesima auch noch so ernst, so ist sie doch nicht dumpf und trübe. Die fortschreitende geistige Läuterung, eine Frucht unserer Fastenübungen, bringt Freude in unser Herz – sie führt uns ja immer näher zu Gott, dem Urgrund aller Freude. [...]

aus: Das vollständige Römische Meßbuch (Schott), Freiburg 1961, S.116-119.

Beginn der Fastenzeit

Lesen Sie die Gedanken von Dom Proper Guéranger OSB zum Beginn der vierzigtägigen Fasten unter “Berichte”! Von ihm, der Abt des Klosters von Solesmes, nahe unserer Patenstadt Le Mans, war,  kamen wichtige Impulse zur Erneuerung der Liturgie und der Gregorianik, zur Intensivierung der Feier des Hl. Messopfers. Die Ausführungen aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts haben gerade für unsere Zeit eine große Aktualität.

Und wenn Sie Näheres über die Bezeichnungen der Fastensonntage wissen möchten, schauen Sie sich die Merkverse des verstorbenen Prälat Schmitz unter der Rubrik “Die Kolumne” an.

Die heilige Fastenzeit

[…] Jetzt aber wollen wir die Augen aufschlagen und sehen: es ist der Emanuel selbst, der sich unseren Blicken aufs Neue zeigt. Er ist nicht mehr das süße Kind, das wir einst in der Wiege angebetet; er steht im männlichen Alter, wie ein Sünder zitternd und sich demütigend vor der erhabenen Majestät, die wir beleidigt und bei welcher er sich als Bürge für uns hingibt. Da er sieht, daß die Bußzeit für uns eröffnet ist, so kommt er in seiner brüderlichen Liebe zu uns, um uns durch seine Gegenwart und sein Beispiel Mut einzuflößen. Vierzig Tage lang üben wir Fasten und Abstinenz: er, die Unschuld selbst, widmete dieselbe Zeit, um seinen Leib abzutöten. […]

Jordanquelle (3)Taufstelle Jesu am Jordan

Kaum ist er aus den Fluten des Jordan, die er eben geheiligt und fruchtbar gemacht hat, hervorgestiegen, so treibt ihn der Heilige Geist in die Wüste. Jetzt ist für ihn die Stunde gekommen, sich der Welt zu offenbaren, vorher aber will er noch ein großes Beispiel uns geben: er entzieht sich den Blicken des Vorläufers und der ganzen Menge, welche die Taube über ihm gesehen und die Stimme des himmlischen Vaters gehört; er richtet seinen Schritt nach der Wüste. Nicht weit von dem Fluße erhebt sich ein finsteres, wildes Gebirge, vielleicht eine der wüstesten Gegenden der Erde. Christliche Jahrhunderte haben dieselbe Quarantania genannt und in dieser Wüste erhebt sich der gleichen Namen führende Berg. Von seinem öden Gipfel aus überblickt man die lachende Ebene Jerichos. […] Der Berg ist gegen seine Gipfel hin vielfach zerklüftet und voller Höhlen und tief in einer solchen Felsengrotte schlug der Sohn des Höchsten seine Wohnung auf. […] Jesus kam dahin, ohne daß er irgend eine Nahrung mit sich führte, um seine Kräfte zu erneuern; nicht einmal Wasser, sich zu erfrischen, hatte er an diesem völlig einsamen Ort. […]

15 Jericho 07Das Kloster am Berg der Versuchungen

So geht uns also der Heiland auf dem heiligen Wege des Fastens voran; mit seinem Beispiele bringt er alle unsere Vorwände, alle Vernünfteleien, alles Sträuben unserer Weichlichkeit und unserer Hoffart zum Schweigen. Beherzigen wir diese Lehre in ihrer ganzen Ausdehnung und begreifen wir endlich das Gesetz der Buße. Als der Sohn Gottes von diesem wüsten Berge herabgestiegen, eröffnete er seine Predigt mit dem an alle Menschen gerichteten Spruch: Tuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe (Matth. 4,17). Auf diese Aufforderung hin sollen wir schon unsere Herzen öffnen, damit nicht der Erlöser unsere Schläfrigkeit durch die an anderem Orte gebrauchte furchtbare Drohung zu verscheuchen genötigt ist: Wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle zu Grunde gehen (Luk. 13,3).

Die Buße besteht aber in der Zerknirschung des Herzens und in der Abtötung des Leibes. Diese beiden Teile sind von wesentlicher Bedeutung: das Herz hat das Böse gewollt und der Körper war das Werkzeug, dasselbe zu begehen. Außerdem ist der Mensch aus Leib und Seele zusammengesetzt und er kann nicht Gott mit dem einen Teile die schuldige Huldigung darbringen, mit dem anderen aber nicht; so wenig wie er mit dem Geiste selig und mit dem Körper verdammt werden kann. Leib und Seele muß sich vielmehr in der Sühne und in der Buße vereinen, sonst hat das eine wie das andere keine Wert.

[…]

VersuchungenDie Versuchungen Christi
Ikone aus dem Kloster am Berg Quarantana

So wollen wir denn entschlossen den heiligen Pfad betreten, welchen die Kirche uns eröffnet. Wir wollen unser Fasten noch durch die anderen Mittel, die Gott uns in den heiligen Büchern vorstellt, Gebet und Almosen, befruchten. Ebenso wie die Kirche unter dem Namen Fasten alle Werke christlicher Abtötung begreift, so versteht sie unter dem Namen Gebet alle frommen Übungen, mit welcher sich die Seele zu Gott wendet. Der häufige Besuch der Kirche, die tägliche Beiwohnung der heiligen Messe, fromme Lesungen, Betrachtungen über die Heilswahrheiten und das bittere Leiden und Sterben des Erlösers, Gewissenserforschungen, die Rezitierung der Psalmen, der Besuch der Fastenpredigten und vor allem der Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares, das sind die wichtigsten Mittel, wodurch die Gläubigen dem Herrn die Huldigung des Gebetes darbringen können.

Das Almosen umfaßt alle Werke der Barmherzigkeit gegen den Nächsten: die heiligen Kirchenlehrer haben es einstimmig als die notwendige Vervollständigung des Fastens und des Gebetes während der österlichen Fastenzeit empfohlen.

[...]

Endlich gibt es ein letztes Mittel, um uns der Früchte des österlichen Fastens zu versichern; dies ist der Geist der Zurückgezogenheit und der Trennung von der Welt. [...]

Beim Lesen dieser Zeilen […] wird wohl mancher mit einer gewissen Trauer an die süße anmutige Poesie zurückdenken, welche in der Liturgie der vierzig Tage der Weihnachtszeit ihren Ausdruck gefunden. Die Septuagesima (Vorfastenzeit) hat bereits einen düsteren Schleier über alle diese freundlichen Bilder geworfen und jetzt sind wir da in eine steinige Wüste getreten, durch welche kein Quell rauscht und in welcher statt süß duftender Blumen nur Dornen und Disteln wachsen. Beklagen wir uns nicht darüber, die heilige Kirche weiß genau, was uns Not tut und will unserem Bedürfnisse Genüge leisten. Um dem Christkinde sich zu nahen, forderte sie von uns nur die leichte Vorbereitung des Advents, denn die Geheimnisse des Gottmenschen standen erst an ihrem Anfange.

Viele sind zur Krippe in der Einfalt und Unwissenheit der Hirten von Bethlehem gekommen, ohne noch die Heiligkeit des menschgewordenen Gottes oder den gefahrvollen und schuldbeladenen Zustand ihrer Seele genügend zu kennen; aber heute, da der Sohn des Ewigen den Bußweg betreten, da wir ihn bald als die Beute der schmachvollsten Mißhandlung und der gräßlichsten Todesschmerzen am Kreuzesstamm sehen werden, heute dürfen wir nicht mehr in der trügerischen Sicherheit unserer Unwissenheit verbleiben und mit Recht rüttelt uns die Kirche aus derselben auf; sie sagt uns, daß wir an die Brust schlagen, unsere Seele betrüben, unseren Leib abtöten; denn wir sind Sünder, Sünder, die eigentlich ihr ganzes Leben hindurch Buße tuen sollten, und eifrige Seelen tun dies auch. Da ist es denn in Wahrheit gerecht, billig und heilsam, daß wir wenigstens einen Versuch machen und dazu gibt uns die Kirche in diesen Tagen, wo der Heiland in der Wüste litt, die geeignete Veranlassung, und in dieser Buße verharren wir bis zu seinem Tode auf dem Kalvarienberge. Beachten wir weiter jene Worte, die er an die weinenden Frauen

Jerusalems richtete, als er, sein Kreuz auf dem Rücken, am Tage seines Leidens an ihnen vorüberwankte: „Wenn man das am grünen Holze tut, was wird mit dem dürren geschehen?“ (Luk. 23,31) Aber durch die Barmherzigkeit des Erlösers kann auch das dürre Holz auf neue grünen und dem Feuer entgehen.

Das hofft und ersehnt die heilige Kirche und darum legt sie uns das Joch der österlichen Fasten auf. Wenn wir beharrlich diesen mühsamen Weg wandeln, dann werden wir allmählich vor unseren Augen ein Licht erglänzen sehen. Standen wir Gott durch die Sünde fern, so wird diese heilige Zeit für uns ein Leben der Läuterung sein und unsere geläuterten Augen werden schließlich Gott als den Überwinder des Todes erblicken. Wandeln wir aber bereits die Pfade der Erleuchtung, nachdem wir die Tiefe des Elendes in der Zeit der Septuagesima erkannt, dann werden wir jetzt Den wiederfinden, der unser Licht ist; und wenn wir es verstanden haben, ihn unter den Zügen des Kindes von Bethlehem zu sehen, dann werden wir ihn ohne Mühe auch in dem göttlichen Büßer der Wüste und in dem blutigen Opfer des Kalvarienberges wiedererkennen.

(aus: Dom Prosper Guéranger, Abt von Solesmes, Das Kirchenjahr. Autorisierte Übersetzung. Bd.5, Die heilige Fastenzeit. Mainz 1877. S. 39-55)

Bilder: Privat

Dom Prosper-Louis-Pascal Guéranger OSB (geb. 4. 4. 1805, Sable-sur-Sarthe, gest. 30. 1. 1875 Solesmes) war der Begründer einer neuen liturgischen Bewegung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts und erster Abt des wiedergegründeten Benediktinerklosters Solesmes.

 Prälat Dr. Heribert Schmitz

ist am 12. August 2013 kurz nach 21 Uhr verstorben. Nach dem Leiden in den letzten Wochen hat der Herr über Tod und Leben ihn zu sich gerufen. Für die Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in Paderborn hat er die entscheidenden Schritte getan, ruhig und liebenswürdig, aber entschieden in der Sache. Wenn wir jetzt die Gelegenheit haben, am Mittwoch und an Sonn- und Feiertagen den altehrwürdigen Ritus zu feiern, so ist das im Wesentlichen sein Verdienst. Leider werden die alltäglichen Frühmessen in der Josephskapelle fürs erste nicht mehr regelmäßig stattfinden, denn auch hier war er die treibende Kraft. Gedenken wir seiner im dankbaren Gebet.

Zur Primiz von P. Bernward van der Linden FSSP

 (Paderborn)

Am Samstagmorgen – es ist der 7. Juli gegen 10.00 Uhr – ist die Kapuzinerkirche im Liborianum schon recht gut besucht. Und immer mehr Menschen kommen in den wunderschönen Barockbau mit seinem Hochaltar, der in seiner „vorkonziliaren“ Bauweise noch gut erhalten ist und den Volksaltar vergessen lässt: drei hölzerne Stufen führen zum Suppedaneum und zum Altar empor, auf dem nach den Rubriken drei weiße Decken liegen, zu den notwendige sechs Kerzen kommen heute vier weitere hinzu, der Blumenschmuck ist in den vatikanischen Farben gelb und weiß. Der Beichtstuhl an der linken Seitenwand ist besetzt und wird frequentiert. Alles deutet auf einen besonderen Anlass.
Und der erfüllt alle heute mit besonderer Freude. Bernward van der Linden aus Hövelhof hat am 30. Juni durch Erzbischof Wolfgang Haas die heilige Priesterweihe empfangen und feiert heute seine Heimatprimiz. Die Weihe hatte in der Sühnekirche in Wigratzbad, wo P. Bernward im Priesterseminar der Petrusbruderschaft seine Ausbildung erhalten hat, ihren festlichen Rahmen gefunden; am folgenden Sonntag, dem Fest des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus, durfte P. Bernward in eben dieser Kirche seine Primizmesse feiern. Und nun war er wieder im heimatlichen Paderborn. Vielen Gläubigen, die in der außerordentlichen Form des römischen Ritus die Heilige Messe in der Gaukirche sonntäglich feiern, ist P. Bernward nicht unbekannt: In seinen Ferien war er stets aktiv am liturgischen Gesang beteiligt und hat die Schola verstärkt, geleitet und mit ihr geprobt. In seiner Funktion als Leiter der Schola in Wigratzbad ist er auch vielen durch die sonntäglichen Übertragungen in KTV bekannt.
Als die Glocke zum Einzug läutet ist die Kapuzinerkirche überfüllt. Dicht an dicht stehen die Gläubigen, nur die ersten Reihen sind für die mit einziehenden Kleriker reserviert, die erste Reihe als Kommunionbank, da in diesem Ritus die Heilige Kommunion nur kniend und als Mundkommunion empfangen werden darf. Ein langer Einzug: Kreuzträger, Akolythen, Ministranten, Mitbrüder der Petrusbruderschaft, Priester   endlich Subdiakon, Diakon und Zelebrant, die letzteren in festlich weißer Kapelle. Zum Einzug intoniert die Orgel und die Schola „Veni creator spiritus“ und die Gläubigen stimmen ein. Dann beginnt das levitierte Hochamt, das zu diesem besonderen Anlaß als Votivmesse vom Heiligen Liborius gefeiert wird. P. Bernward zelebriert das Amt für die „Paderborner Gemeinde des überlieferten Ritus“. Für die Gläubigen, besonders für die, welche mit der außerordentlichen Form nicht so vertraut sind, wurden Hefte mit den Gebeten und Gesängen ausgelegt. Wohl lange nicht hat die Kapuzinerkirche einen so mächtigen Volksgesang gehört, sowohl bei den deutschen Liedern wie auch beim Ordinarium der „Missa de Angelis“.
Die Predigt hält H. H. Pfarrer Vosshenrich, in Schloß Holte aufgewachsen und mit P. Bernward seit seiner Jugend befreundet. Christian Vosshenrich ist Priester des Erzbistums Vaduz und seit 2010 Pfarrer in Eschen (Liechtenstein); in seiner Kirche wurde P. Bernward am 23. 9. 2011 zum Diakon geweiht. Ausgehend von diesem Ritus, der so viel Heilige hervorgebracht hat, legt Pf. Vosshenrich dar, was die Gnade und die Verantwortung bedeutet, die der Priesterberuf mit sich bringt. Der Priester ist Stellvertreter Christi, beim Messopfer agiert er „in persona Christi“, und doch ist er auf der anderen Seite schwacher Mensch, der wiederum selbst des Priesters bedarf. Sätze wie „Vergesst nicht, wenn ihr einen Priester zu Gast habt, habt ihr auch immer Christus zu Gast“ prägen sich in das Bewusstsein der andächtigen Zuhörer. Und zum Abschluss gibt er seinem Freund einen Rat der Jesuiten: „Sei auf der Kanzel ein Löwe, im Beichtstuhl ein Lamm, am Altar ein Seraph!“
Nach dem Hochamt spendet P. Bernward den Primizsegen; wohl über eine Dreiviertelstunde stehen die Gläubigen in Doppelreihe an, um dieses einmalige Gnadenmittel zu erhalten. Danach geht es in den Küstergarten zum Imbiss und Gedankenaustausch; viele sind gekommen und harren trotz der kleinen Regenschauern mit dem Primizanten aus bis zur Dankandacht, nach der erneut der Primizsegen gespendet wird. Auch danach stellen sich immer wieder Gratulanten im Küstergarten ein, auch Weihbischof Matthias König kommt gegen Abend zu einem kurzen Besuch.
Ein großer Tag geht zu Ende. Wo P. Bernward seinen Dienst als Priester antreten wird steht noch nicht fest. Fest steht aber, daß unser aller Wünsche ihn begleiten und daß wir mit ihm weiter im Gebet verbunden sein werden.