Zur Primiz von P. Bernward van der Linden FSSP

Am Samstagmorgen – es ist der 7. Juli gegen 10.00 Uhr – ist die Kapuzinerkirche im Liborianum schon recht gut besucht. Und immer mehr Menschen kommen in den wunderschönen Barockbau mit seinem Hochaltar, der in seiner „vorkonziliaren“ Bauweise noch gut erhalten ist und den Volksaltar vergessen lässt: drei hölzerne Stufen führen zum Suppedaneum und zum Altar empor, auf dem nach den Rubriken drei weiße Decken liegen, zu den notwendige sechs Kerzen kommen heute vier weitere hinzu, der Blumenschmuck ist in den vatikanischen Farben gelb und weiß. Der Beichtstuhl an der linken Seitenwand ist besetzt und wird frequentiert. Alles deutet auf einen besonderen Anlass.
Und der erfüllt alle heute mit besonderer Freude. Bernward van der Linden aus Hövelhof hat am 30. Juni durch Erzbischof Wolfgang Haas die heilige Priesterweihe empfangen und feiert heute seine Heimatprimiz. Die Weihe hatte in der Sühnekirche in Wigratzbad, wo P. Bernward im Priesterseminar der Petrusbruderschaft seine Ausbildung erhalten hat, ihren festlichen Rahmen gefunden; am folgenden Sonntag, dem Fest des kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus, durfte P. Bernward in eben dieser Kirche seine Primizmesse feiern. Und nun war er wieder im heimatlichen Paderborn. Vielen Gläubigen, die in der außerordentlichen Form des römischen Ritus die Heilige Messe in der Gaukirche sonntäglich feiern, ist P. Bernward nicht unbekannt: In seinen Ferien war er stets aktiv am liturgischen Gesang beteiligt und hat die Schola verstärkt, geleitet und mit ihr geprobt. In seiner Funktion als Leiter der Schola in Wigratzbad ist er auch vielen durch die sonntäglichen Übertragungen in KTV bekannt.
Als die Glocke zum Einzug läutet ist die Kapuzinerkirche überfüllt. Dicht an dicht stehen die Gläubigen, nur die ersten Reihen sind für die mit einziehenden Kleriker reserviert, die erste Reihe als Kommunionbank, da in diesem Ritus die Heilige Kommunion nur kniend und als Mundkommunion empfangen werden darf. Ein langer Einzug: Kreuzträger, Akolythen, Ministranten, Mitbrüder der Petrusbruderschaft, Priester endlich Subdiakon, Diakon und Zelebrant, die letzteren in festlich weißer Kapelle. Zum Einzug intoniert die Orgel und die Schola „Veni creator spiritus“ und die Gläubigen stimmen ein. Dann beginnt das levitierte Hochamt, das zu diesem besonderen Anlaß als Votivmesse vom Heiligen Liborius gefeiert wird. P. Bernward zelebriert das Amt für die „Paderborner Gemeinde des überlieferten Ritus“. Für die Gläubigen, besonders für die, welche mit der außerordentlichen Form nicht so vertraut sind, wurden Hefte mit den Gebeten und Gesängen ausgelegt. Wohl lange nicht hat die Kapuzinerkirche einen so mächtigen Volksgesang gehört, sowohl bei den deutschen Liedern wie auch beim Ordinarium der „Missa de Angelis“.
Die Predigt hält H. H. Pfarrer Vosshenrich, in Schloß Holte aufgewachsen und mit P. Bernward seit seiner Jugend befreundet. Christian Vosshenrich ist Priester des Erzbistums Vaduz und seit 2010 Pfarrer in Eschen (Liechtenstein); in seiner Kirche wurde P. Bernward am 23. 9. 2011 zum Diakon geweiht. Ausgehend von diesem Ritus, der so viel Heilige hervorgebracht hat, legt Pf. Vosshenrich dar, was die Gnade und die Verantwortung bedeutet, die der Priesterberuf mit sich bringt. Der Priester ist Stellvertreter Christi, beim Messopfer agiert er „in persona Christi“, und doch ist er auf der anderen Seite schwacher Mensch, der wiederum selbst des Priesters bedarf. Sätze wie „Vergesst nicht, wenn ihr einen Priester zu Gast habt, habt ihr auch immer Christus zu Gast“ prägen sich in das Bewusstsein der andächtigen Zuhörer. Und zum Abschluss gibt er seinem Freund einen Rat der Jesuiten: „Sei auf der Kanzel ein Löwe, im Beichtstuhl ein Lamm, am Altar ein Seraph!“
Nach dem Hochamt spendet P. Bernward den Primizsegen; wohl über eine Dreiviertelstunde stehen die Gläubigen in Doppelreihe an, um dieses einmalige Gnadenmittel zu erhalten. Danach geht es in den Küstergarten zum Imbiss und Gedankenaustausch; viele sind gekommen und harren trotz der kleinen Regenschauern mit dem Primizanten aus bis zur Dankandacht, nach der erneut der Primizsegen gespendet wird. Auch danach stellen sich immer wieder Gratulanten im Küstergarten ein, auch Weihbischof Matthias König kommt gegen Abend zu einem kurzen Besuch.
Ein großer Tag geht zu Ende. Wo P. Bernward seinen Dienst als Priester antreten wird steht noch nicht fest. Fest steht aber, daß unser aller Wünsche ihn begleiten und daß wir mit ihm weiter im Gebet verbunden sein werden.

Einige Bilder von der Primiz sind zu finden unter:
http://www.pro-missa-tridentina.org