Zehn Jahre Motu Proprio Summorum Pontificum

Zum Besuch des Erzbischofs

Am 6. August 2017, dem Fest der Verklärung des Herrn, war S. E. Erzbischof Hans Josef Becker zu Gast im sonntäglichen Hochamt. Mit etwa 150 Gläubigen war die Kapuzinerkirche voll besetzt. Große Erwartungen knüpften sich an diesen Besuch. So waren auch aus anderen Gemeinden des Bistums Gläubige zur Mitfeier angereist.

In festlichem Einzug wurde der Oberhirte vom Zelebranten Msgr. Tuszynski, dem anwesenden Klerus und zehn Ministranten zum Chorraum geleitet. Mit Asperges und Stufengebet begann die Hl. Messe. Natürlich warteten alle gespannt auf die Predigt, die der Erzbischof halten wollte. Er begann mit einer Schilderung des römischen Sommers und der Kühlung, die auf dem Caelius zu erfahren sei, wo in der Kirche S. Maria in navicella das Evangelium des Tages abgebildet ist, um dann weiter darauf einzugehen. Er vermied jeden direkten Hinweis auf die liturgische Form, der er beiwohnte und beschränkte sich auf eine Homilie zum Evangelium von der Verklärung Christi. Er sprach von der Unterbrechung des Alltag und dem Mitgehen auf den Berg der Verklärung, wodurch wir herausgerissen sind aus der Gewohnheit unserer Gottesbeziehung. Was für einen Gott erwarten wir uns? Einen, der sich in unsere Vorstellung einfügt, oder einen, der uns zur “Unterbrechung” zwingt, zum Stutzig werden über das Allzugewöhnliche, was sich so einschleift in unseren Glauben? Nun, das “Allzugewöhnliche” – wir sind der Überzeugung, daß es uns in der Feier der Eucharistie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus nie dazu wird, daß jede Messfeier uns über den Alltag erhebt und uns stark macht, dem Alltäglichen zu begegnen.

Viele hatten wohl erwartet, daß der Bischof bei seinem Besuch die Initiative guthieß, die vor zehn Jahren zur regelmäßigen Praktizierung der Messfeiern in der ao. Form führte, vielleicht auch die Aussicht auf eine weitere Ausdehnung der Erlaubnis eröffnete. Das blieb aus. Die Bedeutsamkeit des Besuchs des Erzbischofs lag eher in der Tatsache, daß der Oberhirte diese Gottesdienstgemeinde besuchte, wie jede andere Gemeinde seines Bistums auch, und gemeinsam mit ihr die Heilige Messe feierte. Das Signal war und ist: Ihr seid keine Außenseiter, ihr gehört fest zur Erzdiözese Paderborn, auch in dieser Form ist der Bischof bei euch und “unterbricht das Allzugewöhnliche”. “Wir feiern” – so der Erzbischof – “eben jetzt diese Unterbrechung, geschenkt in unserem sakramentalen Leben, bei der Mitfeier der Heiligen Messe.” Als verwandelte Menschen sollen wir hinausgehen in den Alltag. “Solche Menschen braucht die Kirche mehr denn je.” Diese Worte, in einer Predigt eines Diözesanbischofs, in einer Messfeier in der außerordentlichen Form des römischen Ritus – das sollte die Ermunterung sein, die wir zur Verwirklichung unseres Glaubens und zur Feier der Eucharistie als dessen Höhepunkt benötigen.

Bei strahlendem Sonnenschein verabschiedet sich der Erzbischof nach dem festlichen Auszug vor der Kapuzinerkirche, um dann sich mit den Priestern, die die Messe in dieser Form zelebrieren, zu einem Erfahrungsaustausch zu treffen.

Auch wenn manche Erwartungen direkt nicht erfüllt werden konnten: Seien wir dankbar für diesen Besuch, durch den wir in unserem Tun bestätigt worden sind. Zehn Jahre Summorum Pontificum, zehn Jahre Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus: Dem Herrn sei Dank! Und Seinem Stellvertreter auf Erden, Papst em. Benedikt XVI!
Bilder zum Besuch des Erzbischofs: https://judica-me.de/Erzbischof-Becker/